„Frisch in Düsseldorf: Kunst für Junge“ , Neue Kunstmesse in Startlöchern
Erschienen in : Rheinische Post, 19.04.2007
Verfasser: Bertram Müller
URL: http://www.rp-online.de/public/article/regional/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/429812
Frisch in Düsseldorf: Kunst für Junge
Neue Kunstmesse in Startlöchern
(RP) Jede Generation schafft sich ihre Treffpunkte. Deshalb ist es nur natürlich, dass auch die Kunstszene in Abständen ein Zeichen ihrer Verjüngung setzt. Das neueste trägt den Namen „dc duesseldorf contemporary“ – ein Markt in der Düsseldorfer Messe, auf dem viel Englisch gesprochen wird und auf dessen Bildern sich immer wieder Amerika zeigt.
Die „dc“ wirkt jünger und frischer als die frischesten Teile der „Art Cologne“. Das gilt nicht nur fürs Ambiente. Die offene Innenarchitektur setzt sich schräg von den Hallenwänden ab; ein von matten Spiegeln umgebener Platz in der Mitte ermöglicht Orientierung und lädt zu Gesprächen ein.
Zu sehen ist junge Kunst von jungen, in- und ausländischen Galerien, unter anderem aus New York, Großbritannien und Kanada: viel Malerei, dazu Objektkunst, Installationen, auch Arbeiten auf Papier – alles ähnlich wie auf der „Art Cologne“, nur ganz auf die unmittelbare Gegenwart konzentriert. Aus Düsseldorf beteiligen sich Konrad Fischer, Van Horn, Sies + Höke, Conrads, Walbröl, Site sowie Bugdahn und Kaimer. Je mehr man sich in die Beiträge der europäischen Händler vertieft, desto mehr bohrt die Frage: Ist es heute noch wichtig, dass amerikanische Händler bei uns ausstellen? Haben nicht auch viele deutsche Galeristen amerikanische Kunst im Angebot, und das – wie Konrad Fischer – schon seit Jahrzehnten mit Erfolg?
Mancher Stand auf der „dc“ wirkt großzügiger, als er vermutlich auf der „Art Cologne“ zustande gekommen wäre. Voges + Partner aus Frankfurt zeigt eine riesige Landschaft des Österreichers Manfred Peckl, die sich aus Atlanten- und Kartenmaterial zusammensetzt. Bei Konrad Fischer bedeckt eine aus farbigen Streifen bestehende Arbeit von Jim Lambie den Boden. Die Spencer Brownstone Gallery aus New York stellt eine Ventilator- und Videoinstallation von Zilvinas Kempinas aus, einem Künstler, dessen Werke schon in bedeutende Sammlungen aufgenommen wurden und den das ArtReview Magazin zu einer ihrer „zukünftigen Größen“ wählte.
Fragt sich nun, an wen die „dc“ sich wendet. Am ehesten an Leute, die noch jung und schon ziemlich reich sind, so dass sie sich die aufstrebende Avantgarde leisten können; eine kleine Minderheit also. Ohnehin gewinnt man auf der „dc“ den Eindruck, dass die sachverständigsten Besucher der Kojen die Händler von nebenan sind, Spezialisten also auf dem Gebiet der jungen, internationale Aufmerksamkeit beanspruchenden Gegenwartskunst. Zum Event, den die Veranstalter aus dem Hause Gruner+ Jahr ursprünglich erstrebten, reicht’s noch nicht ganz.
Quelle/Autor BERTRAM MÜLLER